Internationaler Podcast Tag am 30. September – den Audio-Boom verstehen und nutzen!

5 Tipps von Buchautorin und Podcast-Expertin Doris Hammerschmidt: Was bringt mir ein Podcast und wie mache ich einen?

Artikel aktualisiert am
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2021
Ihr habt noch keinen Podcast? Inzwischen ist das keine Scherzfrage mehr - auch für Unternehmen, Organisationen oder Vereine.

Für alles gibt es einen Feiertag, natürlich auch für Podcasts! 2014 hoben Steve und Dave Lee vom US-Podcast „The Waves of Tech“ den „International Podcast Day“ aus der Taufe. Jedes Jahr am 30. September soll sich die Welt um Podcasts drehen - um die vielleicht nach wie vor vielfältigste, unabhängigste, dezentralste, aber dadurch auch etwas chaotische neue Mediengattung.

Jeder Promi, jeder Berater, jeder Coach, jeder mit einem skurrilen Hobby und natürlich die Medienhäuser und Verlage: Alle podcasten wie verrückt.

Müssen oder können Späteinsteiger jetzt noch auf diesen pickepackevollen Zug aufspringen? Warum nicht?

Podcasts sind nach wie vor einspannendes Medium, eine Möglichkeit für lebendiges, unterhaltsames Content-Management. Als Unternehmen sollten Sie nur einige wichtige Punkte beider Planung berücksichtigen. Die Autorin des „Podcast-Buches“ (Haufe-Verlag), Doris Hammerschmidt hat hier die Top-5 zusammengefasst:

1.      Audio verstehen – Wer fühlen will, musshören!

Nur ein paar Millimeter liegen zwischen dem Schall aus dem Kopfhörer und dem Ohr bzw. dem Gehirn. Diese Nähe verleiht Audio-Inhalten eine größere Intensität als Gedrucktem oder auch Gefilmtem. Wer Podcasts machen will, muss deswegen zuallererst die grundlegende Wirksamkeit von Gehörtem begreifen: Töne, Sprache, Musik kriechen ins Ohr. Sie bringen das Gehirn dazu, sich eigene Bilder zu machen, weswegen Audio-Inhalte dort besser gespeichert werden. Gehörtes regt die Fantasie an, hält uns geistig aktiv. Im besten Fallentsteht eine starke emotionale Verbindung zwischen uns und den Tönen im Ohr. Audio und damit der Podcast ist ein Bindungsmedium. Diese Stärke sollten Sie nutzen. Erzählen Sie Geschichten, seien Sie unterhaltsam, sorgen Sie für spannende Inhalte. Audio heißt: Eher Emotion als Information, eher „Warum?“ als „Was genau?“.

2.      Podcast verstehen – Beziehungsstatus: Es ist kompliziert

Podcasts boomen. Podcasts sind überall: In Megatheken, auf den großen und kleinen Plattformen, Podcatchern bzw. Apps. Das Podcast-Universum ist immer noch dezentral, kleinteilig und teilweisechaotisch. Es braucht ein wenig Einarbeitung, bis man das Dickicht durchschaut hat. Für Unternehmen/Organisationen, die mit einem Podcast an die Öffentlichkeit gehen wollen, heißt das: Sie müssen auf allen Plattformen, in allen gängigen Veröffentlichungsarten präsent sein – denn die Konkurrenz ist inzwischen riesengroß! Wer will den Podcast eines Unternehmens hören, wenn atemberaubende True Crime-Podcasts locken oder legendär lustige Laber-Podcasts von Prominenten? Und: Sie müssen Ihren Podcast vermarkten, bekannt machen, das geht nicht von selbst. Ohne ein gut geplantes Kommunikationskonzept landet er als nächste Audio-Leiche auf dem „Friedhof der Nuscheltiere“.

3.      Klare Ziele – Wen will ich, was will ich?

Geschichten, Emotionales, Hintergründe, Unterhaltendes – wem und warum wollen Sie was erzählen? Überlegen und planen Sie einen Podcast wie ein Medienunternehmen: Was habe ich zu erzählen, wen könnte das interessieren und mit welcher Umsetzung, mit welchem Podcast-Format erreiche ich das? Interviews? Reportagen? Hörspiel? Wenn Sie für Werbeflyer oder den Messe-Auftritt viel Zeit und Geld investieren – für einen Podcast sollten Sie das genauso tun. Zielgruppe, Kommunikationsziel - und daraus folgend die Inhalte und die Art, das Format des Podcast müssen professionell geplant werden. Und überlegen Sie sich vorher, ob sie unbedingt auf Reichweite schielen sollten oder doch besser mit einem „nischigen“ Podcast weniger, aber die richtigen Hörer:innen anpeilen. Gibt es z.B. Schnittmengen in bestimmten Bevölkerungsgruppen zu Ihrem Unternehmen? Nur als Beispiel: Sie produzieren Bio-Lebensmittel oder -Kleidung? Warum nicht einen Podcast über’s Wandern oder andere naturverbundene Hobbies machen, mit Ihrem Unternehmen als Sponsor.

4.      Langer Atem – Gut Kling will Weile haben

Ein Podcast ist eine Serie von Audio-Episoden. Manche Podcasts gibt es seit zig Jahren mit inzwischen dreistelligen Episoden-Zahlen. Andere sind staffelbasiert, das heißt: Pro Staffel erscheinen z.B. 8 Episoden, dann folgt eine mehrmonatige Pause, dann erscheint Staffel 2. Und so weiter. So oder so: Wer einen Podcast starten will, muss seriell denken. Es muss schon zu Beginn klar sein, dass Zeit, Budget und Inhalte für möglicherweise mehrere Jahre reichen! Je nach Format und Inhalt sollte mindestens alle zwei Wochen, spätesten einmal im Monat eine neue Episode erscheinen. Wer das durchhält, darf sich über einen großartigen „Long Tail“ von immer mehr werdenden Hörer:innen freuen. Denn spätestens, wenn Suchmaschinen auch Gesprochenes im Netz nach Stichworten durchsuchen können, kommt des Podcasts noch größere Stunde.

5.      Gehört dazu – Podcasts für die Mitarbeiter:innen

Wer’s erst mal etwas entspannter angehen will und keine Lust hat auf einen Stehplatz im überfüllten Podcast-Zug – podcasten Sie intern! Das ist natürlich nur sinnvoll für Unternehmen/Organisationen mit einer größeren Zahl an Mitarbeitern. Aber in Zeiten von Home Office/New Work, in denen sich Kolleg:innen weniger denn je persönlich treffen, kann ein Podcast ein tolles, verbindendes Element sein: Was geht ab im Unternehmen, was treiben die Kolleg:innen in anderen Abteilungen, was muss ich als neue/r Mitarbeiter/in beachten? Bevor Sie „draußen“ mühsam versuchen, ausreichend Reichweite für Ihren Podcast zu generieren - machen Sie doch erst mal Ihre Mitarbeiter:innen zu Fans der eigenen Marke. Auf „interne Podcasts“ spezialisierte Dienstleisterhelfen Ihnen gerne bei der technischen Umsetzung z.B. via Mitarbeiter-App und einem ergänzenden Community-Building.

Wenn Sie damit erfolgreich sind, können Sie die gewonnenen Erfahrungen für einen externen Podcast nutzen und fangen nicht ganz von vorne an.

Button International Podcast Day

 

Ich wünsche Ihnen nun viel Spaß in der kunterbunten Welt der Podcasts und natürlich einen hörenswerten internationalen Podcast-Tag!

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Der Fokus liegt dabei auf Corporate-Podcasts von Unternehmen und Organisationen.

Doris Hammerschmidt

Doris Hammerschmidt ist gelernte Rundfunkjournalistin, Redakteurin, Sprecherin. Ihre Stationen: Radio Charivari, Hit Radio FFH, Radio7 und Berliner Rundfunk 91!4. Sie ist Mitinhaberin der Agentur Medienproduktion München und leitet dort den Bereich Audio.

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